Was Vibe-Coding mit SaaS macht
Am 10.08.2026 erschien auf Golem.de ein Artikel mit einem Titel, der es in sich hat: „B2B: Wie KI SaaS verschlingt" von Namanyay Goel. Allein diese Metapher — Software, die etwas verschlingt — ist eine Ansage. Bevor ich mich auf sie einlasse, gehört ein Hinweis an den Anfang, der für den ganzen Text gilt:
Ausgangspunkt dieses Textes ist der Golem-Artikel »B2B: Wie KI SaaS verschlingt« von Namanyay Goel (10.08.2026). Der Volltext liegt hinter einer Cookie-Wall und war zum Zeitpunkt der Recherche nicht zugänglich — verifiziert sind nur Titel, Autor und der öffentlich sichtbare Teaser. Alles, was dieser Text darüber hinaus behauptet, ist deshalb ausdrücklich meine eigene Einordnung auf Basis des Teasers und des Vibe-Coding-Trends, keine Wiedergabe des Golem-Artikels. Golem zitiere ich nur dort, wo der Teaser wörtlich steht.
Das ist kein juristisches Kleingedrucktes, sondern entscheidend für die Lektüre: Was hier steht, ist eine Beobachtung mit dem Teaser als Anker — keine Zusammenfassung eines Volltexts, den ich nicht lesen konnte.
Ausgangslage: Der Teaser erzählt eine bekannte Geschichte
Wörtlich heißt es dort:
„In Zeiten von Vibe-Coding zahlt niemand mehr Abertausende für eine mäßig passende Software. SaaS-Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen."
Zwei Dinge stecken in diesem Satz. Das eine ist eine Behauptung über Zahlungsverhalten: Wer Software mit KI bauen kann, zahlt nicht mehr viel Geld für etwas, das nur halb passt. Das andere ist die einzige inhaltliche Aussage, die sich aus dem Teaser direkt belegen lässt: SaaS-Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen.
Der Satz ist bewusst überspitzt — „niemand mehr", „Abertausende". Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels. Ich nehme ihn deshalb ernst, aber nicht wörtlich.
Das Problem: Mäßig passende Software wird zur Ware
Wer lange mit Standard-Software gearbeitet hat, kennt das Muster: Man kauft ein Tool, das zum großen Teil passt, und verbringt die nächsten Jahre damit, den fehlenden Rest zu umgehen, zu konfigurieren oder zu flicken. Solange Software nur von Software-Firmen gebaut werden konnte, war das der Normalzustand. Der Teaser behauptet, dass sich genau das ändert.
Der Begriff Vibe-Coding — grob: Software, die man per KI-Prompt baut statt klassisch entwickelt — kursiert seit Monaten; Golem hat dazu mehrfach berichtet. Der Kern des Trends ist simpel: Wer eine Aufgabe präzise beschreiben kann, bekommt zunehmend eine funktionierende Lösung, ohne ein Software-Projekt aufzusetzen. Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels.
Wenn das stimmt, gerät genau die Sorte Software unter Druck, die ihren Preis bisher aus Bequemlichkeit bezog: generische, austauschbare Tools ohne tiefe Integration, ohne Spezialwissen, ohne kritische Funktion. Die Frage ist, wie weit dieser Druck reicht.
Der Ansatz: Differenzieren statt dramatisieren
Meine Einordnung hat zwei Seiten.
Erstens: Der Druck ist real, trifft aber nicht alles gleich. Verwundbar sind die Werkzeuge, die sich in wenigen Tagen durch ein KI-gebautes Stück Software ersetzen lassen: einfache Formulare, Standard-Dashboards, kleine interne Helfer. Stabil bleiben Lösungen, deren Wert nicht im Code liegt, sondern im Umfeld: Komplexität, Compliance, Integration, langfristige Wartung. Wer zertifizierte, geprüfte, tief integrierte Software braucht, kauft kein Prompt-Ergebnis. Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels.
Zweitens: Der Mechanismus dahinter ist nicht belegt. Der Teaser belegt nur die Zahlungsunwilligkeit. Ob die Ursache Preisdruck, neue Konkurrenz, veränderte Erwartungen oder etwas anderes ist, sagt er nicht. Ich halte es für plausibel, dass die Möglichkeit, Software selbst zu bauen, die Zahlungsbereitschaft für „mäßig passend" senkt. Das ist eine Möglichkeit, keine Messung. Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels.
Ergebnis: Unter Druck gerät die untere Mittelschicht
Was heißt das für die Frage, die der Golem-Titel aufwirft? Ich glaube: Die Metapher ist zu groß. Unter Druck gerät nicht SaaS als Ganzes, sondern die untere Mittelschicht der generischen Tools — die Sorte Software, die ihren Preis bisher aus Bequemlichkeit bekam. Wer ein mäßig passendes Produkt verkauft, steht künftig in Konkurrenz zu einer Alternative, die sich der Kunde selbst bauen kann.
Und der eine Satz im Teaser, der wirklich belegt ist, bleibt stehen: SaaS-Anbieter müssen sich etwas einfallen lassen. Was das konkret heißt — Differenzierung, Spezialisierung, Daten als Schutzschild statt Funktionen als Produkt — ist meine Einordnung. Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels.
Was ich daraus mitnehme
Ich schreibe das nicht als unbeteiligter Beobachter: Als jemand, der selbst KI-Software baut, bin ich nicht unbeteiligt. Ich profitiere von dieser Entwicklung — und genau deshalb habe ich Respekt vor dem, was sie nicht ersetzt.
Was ich aus dem Teaser mitnehme, ist eine Haltung: erst beweisen, dann skalieren. Bevor ich Software als Ersatz für ein etabliertes Produkt empfehle, muss sie den Ernstfall bestehen — Wartung über Jahre, nicht ein Demo-Nachmittag. Und wer selbst baut, sollte sich fragen, ob er gerade ein generisches Werkzeug ersetzt oder echten Wert schafft. Das eine ist ein Geschäft, das andere ein Produkt. Auch das ist meine Einschätzung, nicht die des Golem-Artikels.
Der Teaser hat eine Debatte angestoßen. Ob er recht hat, zeigt sich nicht an Schlagzeilen, sondern daran, was in zwei, drei Jahren aus den Werkstätten derer kommt, die heute ihre eigene Software bauen.
Quellen
- Golem.de, 10.08.2026 — „B2B: Wie KI SaaS verschlingt" (Namanyay Goel), https://www.golem.de/news/b2b-wie-ki-saas-verschlingt-2608-206763.html [Zitat nur Teaser]
- Kontext (Trend, ohne Detail-Zuschreibung): Golem-Vibe-Coding-Berichterstattung 06–07/2026