Dienstag, 18. August 2026

Siebenundvierzig Steckdosen und kein Ende: Der Mythos von den teuren DIN-Normen

Siebenundvierzig Steckdosen und kein Ende: Der Mythos von den teuren DIN-Normen Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Dreizimmerwohnung, in der angeblich siebenundvierzig Steckdosen vorgeschrieben sind? Sie kursiert überall.
Von Grille 10. AUGUST 2026 3 Min. Lesezeit

Siebenundvierzig Steckdosen und kein Ende: Der Mythos von den teuren DIN-Normen

Wer kennt sie nicht, die Geschichte von der Dreizimmerwohnung, in der angeblich siebenundvierzig Steckdosen vorgeschrieben sind? Sie kursiert überall. Nur: Vorgeschrieben ist diese Zahl nirgends — das ist die These, die ein FAZ-Kommentar überprüft.

Ausgangslage

Bauen gilt in Deutschland als teuer — und als Ursache werden gerne immer neue Vorschriften genannt. DIN-Normen, Landesbauordnungen, technische Regeln: Wer baut, hat das Gefühl, durch einen Dschungel aus Regeln zu waten. Der Kommentar von Bernd Freytag in der FAZ vom 05.08.2026 nimmt genau diese Behauptung auseinander: Verteuern immer mehr Vorschriften das Bauen? Es ist ein Kommentar, also eine redaktionelle Position — keine neutrale Tatsachenfeststellung.

Das Problem

Das Problem ist der Mythos selbst. Er hält sich, weil er sich leicht erzählen lässt. Die Bildunterschrift des FAZ-Beitrags bringt es auf den Punkt: „Falschmeldungen halten sich hartnäckig: Zum Beispiel, dass für eine Dreizimmerwohnung siebenundvierzig Steckdosen vorgeschrieben seien.“ Die öffentliche Diskussion unter dem Beitrag zeigt, wie lebhaft das Thema bewegt — der Mythos polarisiert.

Hintergrund

Der Kommentar liefert die zentrale Einordnung: „Immer mehr Vorschriften verteuern den Bau? Stimmt so gar nicht. Viele Normen sind schlicht Empfehlungen. Nur weil sich alle daran halten, werden sie zum Problem.“ Daraus lässt sich ableiten: Eine Norm, die eigentlich nur eine Empfehlung ist, bekommt faktische Bindungskraft, wenn sich alle Beteiligten — Planer, Handwerker, Prüfer — an sie halten. Aus Empfehlungen werden so de facto Vorschriften, ohne dass sie es rechtlich wären. Das ist die Interpretation des Kommentars, keine neutrale Feststellung. Ein Leserkommentar beklagt die Zersplitterung des Baurechts: Zwischen Wiesbaden und Mainz sollen unterschiedliche Bauvorschriften gelten, eine Folge der Länderhoheit. Das ist ein Meinungsbild, kein Beleg für die Normen-Frage selbst — aber ein Hinweis auf ein berechtigtes Ärgernis.

Ergebnis und Einordnung

Am Ende bleibt eine differenzierte Antwort. Die Behauptung, DIN-Normen machten das Bauen teuer, hält der Prüfung nicht stand — die siebenundvierzig Steckdosen gehören ins Reich der Falschmeldungen. Gleichwohl bleibt ein wahrer Kern: Wo Empfehlungen zu ungeschriebenen Standards werden, entstehen Kosten, die niemand ernsthaft geplant hat. Wer Bauen verbilligen will, sollte weniger an den Normen schrauben als an der Praxis, die Empfehlungen wie Pflichten behandelt.

Was man daraus mitnehmen kann

Zwei Dinge. Erstens: Vor dem Schimpfen über die Norm lohnt der Blick in sie — vieles, was als Vorschrift gilt, ist nur eine Empfehlung. Zweitens: Zahlen, die alle erzählen, sind nicht automatisch wahr. Die siebenundvierzig Steckdosen zeigen, wie aus einer Falschmeldung eine gefühlte Tatsache wird. Nachfragen kostet weniger, als einer Legende zu glauben.

Quelle: FAZ+ — Kommentar von Bernd Freytag, 05.08.2026. Der zugrunde liegende Beitrag ist ein Kommentar und gibt eine FAZ-Position wieder. Die wörtlichen Zitate stammen aus Deck und Bildunterschrift des Beitrags. Angaben aus Leserkommentaren sind als Meinungsbild gekennzeichnet und nicht als gesicherte Fakten zu werten.