- Aktenzeichen
- BEO-2026-056
- Eingang
- Rubrik
- Weiterbildung
- Einstufung
- offen
- Verfasser
- M.V.R.H.S.Rufname
- Bearbeiter
TÜV-Weiterbildungsstudie 2026: KI-Kompetenz gefragt, Strategie fehlt
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Wie gut sind Unternehmen in Deutschland auf KI-Weiterbildung vorbereitet? Die TÜV Weiterbildungsstudie 2026 gibt dazu Zahlen. Ich fasse die Pressemitteilung des TÜV-Verbands vom 28. April 2026, den Studienbericht selbst und die Meldung von TÜV Rheinland vom 30. April 2026 zusammen und stelle die Zahlen neben die amtliche Statistik von Destatis. Eigene Messungen gibt es hier nicht. Die Studie ist schon ein halbes Jahr alt.
Die Grundlage
Laut Methodikteil des Studienberichts hat forsa im Auftrag des TÜV-Verbands 500 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden in Deutschland befragt, ausgewählt per systematischem Zufallsverfahren über alle Branchen. Gesprochen wurde mit Weiterbildungsverantwortlichen, Geschäftsführungen und Vorständen, und zwar per Telefon vom 26. Januar bis 11. März 2026. Die Stichprobe ist nach drei Größenklassen disproportional angelegt und wurde für die Gesamtergebnisse gewichtet. Es sind also Selbstauskünfte der Unternehmen, keine Messung dessen, was Beschäftigte tatsächlich können.
Wichtig ja, Strategie selten
- 87 Prozent der Unternehmen halten Weiterbildung für sehr oder eher wichtig. Laut Bericht ist das ein leichter Rückgang gegenüber 2024; 13 Prozent messen ihr wenig oder keine Bedeutung bei, vor zwei Jahren waren es 5 Prozent.
- 75 Prozent ermöglichen Weiterbildung für alle Mitarbeitenden.
- Nur 29 Prozent haben eine schriftliche Weiterbildungsstrategie.
- 53 Prozent führen regelmäßige Weiterbildungsgespräche.
Auch Zeit und Geld sind knapp: 74 Prozent gewähren ein bis fünf Weiterbildungstage pro Jahr, 65 Prozent investieren höchstens 1.000 Euro pro Mitarbeitendem und Jahr. Die wenigen Unternehmen ohne Weiterbildungsangebot (24 von 500) nennen vor allem geringes Interesse der Beschäftigten (84 Prozent) und fehlende Zeit (72 Prozent).
Bemerkenswert ist der Kontrast zur Selbsteinschätzung bei der Lernkultur. Laut Studienbericht sagen 90 Prozent, Fehler würden bei ihnen als Lernchance genutzt, 86 Prozent, Führungskräfte unterstützten Weiterbildung aktiv, und 82 Prozent, Mitarbeitende hätten ausreichend Zeit und geeignete Rahmenbedingungen zum Lernen. Dass Lernkultur fester Teil der Unternehmensstrategie ist, sagen dagegen nur 61 Prozent. Die Unternehmen sehen sich also gut aufgestellt, während die harten Zahlen zu Strategie, Tagen und Budget bescheidener ausfallen.
Gelernt wird oft digital, aber selten ohne Menschen: 91 Prozent der Unternehmen mit digitalen Angeboten setzen auf Webinare oder virtuelle Live-Schulungen mit Trainerinnen und Trainern, 73 Prozent auf E-Learning auf Abruf, 30 Prozent auf Lernen per Smartphone oder Tablet.
Neben KI sehen die Unternehmen Schulungsbedarf vor allem bei Pflichtthemen. 59 Prozent nennen Arbeits- und Gesundheitsschutz, 51 Prozent branchenspezifische Vorschriften, 45 Prozent IT- und Cybersecurity-Regulierung, bei größeren Unternehmen sogar 62 Prozent.
KI wird schneller genutzt als gelernt
Laut Studienbericht setzen 56 Prozent der Unternehmen generative KI-Werkzeuge wie ChatGPT, Gemini, Claude oder Copilot aktiv im Arbeitsalltag ein. Der Anteil steigt mit der Größe: 53 Prozent bei 20 bis 49 Mitarbeitenden, 60 Prozent bei 50 bis 249, 68 Prozent ab 250. Handel (66 Prozent) und Dienstleister (63 Prozent) liegen vorn, das produzierende Gewerbe und der Bereich Energie, Bau, Verkehr darunter (jeweils 47 Prozent).
Geschult haben dagegen nur 27 Prozent der Unternehmen Beschäftigte zu KI. Das ist mehr als doppelt so viel wie 2024 (12 Prozent), aber weniger als die Hälfte der Nutzungsquote:

Nutzung generativer KI nach Unternehmensgröße und Anteil der Unternehmen mit KI-Schulungen. Quelle: TÜV Weiterbildungsstudie 2026, Studienbericht (forsa, n=500).
Am häufigsten schulen laut Bericht Dienstleister (34 Prozent) und die öffentliche Verwaltung (33 Prozent), bei Unternehmen ab 250 Beschäftigten sind es 49 Prozent. Fast die Hälfte der Unternehmen sieht aktuell keinen KI-Schulungsbedarf. Die andere Hälfte (50 Prozent) schätzt ihn als hoch ein, davon 17 Prozent als sehr hoch.
Wer Bedarf sieht, will vor allem Praxis: 72 Prozent nennen anwendungsnahe KI-Kompetenz für den Arbeitsalltag als wichtigstes Ziel, 67 Prozent Grundlagenwissen über die Funktionsweise, je knapp vier von zehn spezialisierte oder fortgeschrittene Kenntnisse. TÜV Rheinland schreibt, der größte Bedarf liege zunächst bei KI-Grundlagen, Einsatzfeldern und Grenzen der Technik.
Bei Neueinstellungen spielt KI noch kaum eine Rolle. Drei Viertel der Unternehmen (74 Prozent) setzen KI-Kompetenzen bei höchstens jeder zwanzigsten neu besetzten Stelle voraus oder halten sie für wichtig. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen (11 Prozent) erwartet sie bei mehr als elf Prozent der Neueinstellungen. Wer KI-Kompetenz im Haus haben will, muss sie also überwiegend selbst aufbauen.
Bei der Frage, wer für Weiterbildung zuständig ist, sehen 55 Prozent auch öffentliche Stellen wie die Arbeitsagentur in der Pflicht. Die Politik nennen 47 Prozent, 2024 waren es noch 54 Prozent.
Andreas Ollhoff, Geschäftsführer der TÜV Rheinland Akademie, sagt dazu, es fehlten häufig „klare Prioritäten, Lernpfade und Zeitbudgets“.
Der Vergleich mit Destatis
Das Statistische Bundesamt kommt in seiner Erhebung zur IKT-Nutzung für 2025 auf eine deutlich niedrigere Quote: 26 Prozent der Unternehmen nutzten KI, 23 Prozent der kleinen (10 bis 49 Beschäftigte), 36 Prozent der mittleren und 57 Prozent der großen ab 250. Direkt vergleichbar ist das nicht. Destatis zählt Unternehmen ab 10 Beschäftigten, fragt nach KI-Technologien im Betrieb und bezieht sich auf 2025; der TÜV fragt Anfang 2026 Unternehmen ab 20 Mitarbeitenden nach dem Einsatz generativer KI-Werkzeuge im Arbeitsalltag.
Interessant ist ein anderes Destatis-Ergebnis. Unternehmen ohne KI nannten als häufigsten Grund fehlendes Wissen (72 Prozent), vor Unklarheit über rechtliche Folgen (62 Prozent) und Datenschutzbedenken (60 Prozent). Das passt zur Schulungslücke im TÜV-Bericht: Wissen fehlt sowohl dort, wo KI noch nicht genutzt wird, als auch dort, wo sie schon im Einsatz ist.
Meine Einschätzung
Die Lücke zwischen 56 Prozent Nutzung und 27 Prozent Schulung ist für mich die zentrale Zahl. Das deckt sich mit dem, was ich in meiner eigenen Weiterbildung merke: Ein Werkzeug ist schnell benutzt, verstanden ist es damit noch nicht. Das ist meine Sicht, kein Ergebnis der Studie. Dazu gehört auch, dass der Auftraggeber zum TÜV-Umfeld gehört, das selbst Weiterbildung verkauft; die Meldung von TÜV Rheinland bewirbt ausdrücklich das eigene Angebot.
Offen bleibt, wie sich die Zahlen seit der Befragung im Frühjahr verändert haben.
Quellen
- TÜV-Verband, 28.04.2026: TÜV Weiterbildungsstudie 2026 (Pressemitteilung)
- TÜV-Verband / forsa, 2026: TÜV Weiterbildungsstudie 2026, Studienbericht (PDF)
- TÜV Rheinland, 30.04.2026: Hoher Bedarf an KI-Kompetenzen – viele Unternehmen ohne klare Weiterbildungsstrategie
- Statistisches Bundesamt: Nutzung von IKT in Unternehmen, Ergebnisse 2025
Horidor