- Aktenzeichen
- BEO-2026-052
- Eingang
- Rubrik
- Arbeitsmarkt
- Einstufung
- offen
- Verfasser
- M.V.R.H.S.Rufname
- Bearbeiter
KI als Toolmate: Daten gegen die Jobkiller-Angst
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Ob KI Arbeitsplätze frisst oder Beschäftigte stärker macht, lässt sich in Deutschland inzwischen an ersten Daten ablesen. Mitte Oktober 2026 sind dazu zwei Auswertungen erschienen, die mit unterschiedlichen Methoden zu einem ähnlichen Ergebnis kommen: eine Studie des IAB und ein Kurzbericht des IW. Dazu kommen eine Empfehlung von Gartner und ein Vorschlag des Digitalministers. Ich fasse zusammen, was die Quellen sagen; eine eigene Auswertung ist das nicht.
Was das IAB gemessen hat
Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hat am 13. Oktober eine Studie im IAB-Forum veröffentlicht, Autoren sind Melanie Arntz, Michele Dinelli und Oliver Schlenker. Grundlage sind monatliche Verwaltungsdaten von rund 22,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigten. Wie stark ein Beruf KI-exponiert ist, misst die Studie mit einem Maß aus der Forschung: dem Anteil der Tätigkeiten, die sich mit großen Sprachmodellen deutlich schneller erledigen ließen. Hoch ist dieser Anteil etwa in Unternehmensorganisation, Rechnungswesen und Recht, in Medien und Informatik.
Das Ergebnis laut IAB-Forum: Ein allgemeiner Beschäftigungseinbruch in KI-exponierten Berufen bleibt bisher aus. Insgesamt hat sich die Vollzeitbeschäftigung dort seit 2022 sogar günstiger entwickelt als in weniger betroffenen Berufen. In den beiden am stärksten exponierten Berufsgruppen lag sie 2025 rund 1 Prozent über dem Niveau von 2022, in den drei weniger exponierten Gruppen gut 3 Prozent darunter.
Anders sieht es bei den Jüngsten aus. Bei den 20- bis 29-Jährigen sank die Vollzeitbeschäftigung in stark KI-exponierten Berufen um 3,8 Prozent, in weniger exponierten um 2,6 Prozent. Der Abstand ist damit negativ, während er bei den Älteren deutlich positiv ausfällt:

Wachstumsabstand der Vollzeitbeschäftigung zwischen stark und weniger KI-exponierten Berufen, 2022 bis 2025, nach Alter. Die Werte für die Älteren nennt das IAB nur gerundet. Quelle: IAB-Forum, 13.10.2026.
Wichtig ist die Einordnung. Der negative Zusammenhang bei den Jüngeren ist laut IAB schwach und statistisch nicht signifikant, wird aber über die Zeit stärker. Für 2025 schätzen die Forscher, dass eine um eine Standardabweichung höhere KI-Exposition mit einer um etwa 1,8 Prozent ungünstigeren Entwicklung bei den Jüngeren einhergeht. Deutlich stärker wirkt die Konjunktur: In Berufen in wirtschaftlich schwächelnden Sektoren ging die Beschäftigung junger Menschen zwischen 2022 und 2025 um 4,2 Prozent zurück. IAB-Forscher Oliver Schlenker fasst das so zusammen, dass KI „eine eher untergeordnete Rolle gespielt haben dürfte“.
Ein mögliches Warnsignal sieht das IAB an einer Stelle, an der man es nicht unbedingt erwartet: im Verarbeitenden Gewerbe und in nicht akademisch geprägten Berufen. Dort geht bei den 20- bis 29-Jährigen eine höhere KI-Exposition mit einer statistisch signifikant schlechteren Entwicklung einher. Im Dienstleistungssektor und in akademischen Berufen findet die Studie keinen solchen Zusammenhang. Die Debatte über junge Akademiker, die wegen KI keinen Einstieg finden, wird von diesen Daten also nicht gestützt. Zum Vergleich nennt die Studie eine US-Untersuchung, nach der die Beschäftigung von 22- bis 25-Jährigen in stark KI-exponierten Berufen um 19 Prozent stärker zurückging; für die EU sei ein ähnlicher Zusammenhang bisher nicht nachgewiesen.
heise online hat die Studie am 14. Oktober aufgegriffen und gibt die Kernaussage genauso wieder: für Ältere eine günstigere, für Berufseinsteiger eine leicht negative Entwicklung.
Was das IW gefunden hat
Am selben Tag hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) den Kurzbericht 70/2026 von Stefanie Seele veröffentlicht. Das IW arbeitet mit einem anderen Maß, der „KI-Nähe“ eines Berufs, die auf dem Technikstand von 2021 beruht. Danach übten im Dezember 2025 knapp 12,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte KI-nahe Tätigkeiten aus. Seit Dezember 2019 ist diese Gruppe um 8,3 Prozent gewachsen, ein Plus von 944.860 Beschäftigten. Selbst von Dezember 2024 bis Dezember 2025, als die Gesamtbeschäftigung sank, wuchs sie leicht.
KI-nahe Beschäftigte waren nach der IW-Auswertung bis 2023 ähnlich selten arbeitslos wie KI-ferne, wechselten aber etwas häufiger den Betrieb. Das IW deutet das vorsichtig als mögliches Zeichen dafür, dass ihre Qualifikationen gefragt sind. Eine „Entwarnung“ will das Institut daraus ausdrücklich nicht ableiten: Das Maß sagt nur, ob ein Beruf mit KI in Berührung kommen könnte, nicht ob sie eingesetzt wird, und die schnelle Verbreitung generativer KI seit Ende 2022 ist in den Daten nur ansatzweise enthalten.
Zwei Institute, zwei Methoden, ein ähnlicher Befund: Ein Jobabbau in KI-nahen Berufen ist in den deutschen Daten bislang nicht zu sehen. Das IAB schaut genauer auf das Alter und findet dort die einzige Schwachstelle.
Was Gartner empfiehlt
Aus dieser Richtung kommt auch der Begriff im Titel. Laut Computerworld rät das Beratungsunternehmen Gartner in seinem Hype Cycle for the Future of Work 2026, KI als „Toolmate“ zu sehen. Unternehmen sollten KI nicht vor allem zur Automatisierung und Kostensenkung einsetzen, sondern um Urteilsvermögen, Kreativität, Führung und Entscheidungen ihrer Mitarbeitenden zu unterstützen. Gartner warnt zudem, dass mit KI in Geschäftsprozessen Kontextwissen und menschliches Urteilsvermögen verloren gehen könnten.
Dazu zitiert Computerworld zwei Gartner-Prognosen. Bis 2027 sollen 75 Prozent der Unternehmen, die KI-Produktivitätsgewinne vor allem als Kosteneinsparung sehen, von Wettbewerbern überholt werden, die in Innovation, Modernisierung und Weiterbildung reinvestieren. Und bis 2029 müssten 30 Prozent der Mitarbeitenden, die wegen einer vermeintlichen Ersetzung durch KI entlassen wurden, wieder eingestellt werden, häufig zu höheren Kosten. Das sind Schätzungen eines Beratungshauses, keine Messwerte; die Gartner-Seite selbst konnte ich nicht abrufen.
Die Steuerfrage
Politisch hat Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) einen Vorschlag gemacht. Laut SPIEGEL, der sich auf ein Interview im Tagesspiegel bezieht, will er die „extrem hohen“ Umsätze mit KI in Deutschland besteuern und damit den Umbau des Arbeitsmarkts finanzieren. Wildberger rechnet demnach langfristig mit mehr Beschäftigung, aber in anderen Jobs als heute; Umschulungen, etwa für Handwerk oder Pflege, müssten bezahlt werden. Ein Gesetzentwurf oder eine genaue Ausgestaltung liegt dazu nicht vor.
Der SPIEGEL erwähnt außerdem eine Umfrage des ifo-Instituts: Knapp 20 Prozent der KI nutzenden Firmen halten es für leicht oder sehr leicht, Hochschulabsolventen durch weniger qualifizierte Kräfte mit KI-Kenntnissen zu ersetzen, mehr als die Hälfte sieht das nicht so.
Offen bleibt, ob der schwache negative Trend bei den Jüngeren nach 2025 stärker wird.
Quellen
- IAB, 13.10.2026: KI bisher kein Jobkiller, aber Berufseinsteiger zunehmend betroffen
- IAB-Forum, Arntz/Dinelli/Schlenker, 13.10.2026: KI als Jobkiller für Berufseinsteiger? Entwarnung mit Vorbehalt
- IW, Stefanie Seele, 13.10.2026: KI-Nähe des Berufs bisher kein Nachteil auf dem Arbeitsmarkt (IW-Kurzbericht 70/2026)
- Computerworld, 15.10.2026: Zukunft der Arbeit: KI erweitert menschliche Fähigkeiten
- DER SPIEGEL, 13.10.2026: Digitalminister Karsten Wildberger will KI-Umsätze in Deutschland besteuern
- heise online, 14.10.2026: KI bisher kein Jobkiller in Deutschland
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